Der Einzug in Jerusalem

Manfred Stumpf ist Konzeptkünstler und Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Er hat sich seid 1987 entschieden an einem einzigen Bildmotiv zu arbeiten, dem „Einzug in Jerusalem“.

Die einzelnen Bildsymbole, wie Esel, Reiter, Tor und Palme werden in aufwendigen Kunst Projekten erforscht. Dabei wird die Entstehung des Gesamtbildes mit dieser Erfahrung angereichert. Es entsteht ein neues Bildsystem, eine Art postmoderner Ikone. Als Beispiel dieser Forschungsarbeit wäre vielleicht das große Mosaik in der U-Bahnstation Habsburger Allee in Frankfurt zu nennen, das eine 2 × 100 Meter lange Eselskarawane zeigt, die aus Millionen kleiner Keramik Quadraten besteht. Hier geht es um die Spannung von Esel und Rechteck, die in dem Ikonenbild den Eingang durch das Tor der Stadt Jerusalem beschreibt. Oder die Weltreise des „Contemplers“, eines zum mobilen Atelier umgebauten Cargo Containers der auf dem Weg um das Erdenrund zur expliziten Erforschung des rechteckigen Tores der Ikone diente. Und in dem auf der Reise, die geometrische und grafische Konstruktion des Bildes mithilfe eines der ersten Personalcomputer und deren für die Rechteckforschung stimmiger Pixelgrafik entstanden ist.

die grossplastik „spire of live“, um die es bei der Finalisierung des bildes geht, ist das letzte projekt in dessen symbol erforschung und bezieht sich auf das Element des Palmbaumes. Hier wird auch wieder mit Bedeutungsverhältnissen gearbeitet. So ist die Nadel, als eigentlich kleines Objekt, in der Skulptur, groß wie der Stamm einer Palme. Die Palmkrone ist nicht oben im Himmel zu finden, sondern flach auf dem Boden eher wie ein Schatten. Die himmlische Ordnung wird in Form einer ornamentalen Galaxie aus grünem Granit abgebildet. Von oben betrachtet, sieht die Nadel mit diesem Ornament aus wie ein gespiegelter oder gestürzter Palmbaum.

Die Palme symbolisiert den Baum des ewigen Lebens. Das hier wie im Spiegel sich Selbst erkennt. Das ist der eigentliche Anspruch des Nadelöhrs, durch das hindurch gegangen werden kann wie durch einen Scanner der Intensionen. Im Selbstbewusstsein relativieren sich alle anderen Intensionen. Vor Allem die egozentrischen, aber auch die pseudosozialen.

Neurophysiologisch gesehen dauert dieser eigentliche Erkenntnismoment maximal 3 Sekunden. Das ist ungefähr die Zeit der Nadelöhr-Passage. Als Initiation, kann die kurze Bewusstwerdung natürlich ständig wiederholt werden, wie die Alten mit Ihren Gebetsketten noch wussten.

Alles in Allem ist die große Nadel damit auch ein radikal abgespecktes Kirchen Gebäude, bei dem der gesellschaftliche Aspekt etwas ausgelagert ist. Hier in Form des Kamels welches verwandt mit dem Esel, das alte Herdentier im Menschen symbolisiert. Ohne das aber auch keine Passage zu machen ist, auch nicht in den Himmel der Selbsterkenntnis, wie es der Messianische Reiter versteht.

„Wie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben führt und es sind wenige, die ihn finden.“ Matthäus 7,14